Am nördlichen Stadtrand Redfields beherbergt ein unscheinbares, einstöckiges, weißes Gebäude den Redfield Marksman. Seit fast sieben Jahren führen Ethan Morin und Jeanette Gigi Archambault den Schützenverein.
Nachdem Garry Rowlins den Marksman über mehr als drei Jahrzehnte hinweg mit kaum mehr als den nötigsten Renovierungen über Wasser gehalten hatte, haben Gigi und Ethan dem Ort neues Leben eingehaucht.
Es ist Freitag, kurz vor 15 Uhr, als Deputy Weston Smith den Salon betritt. Wortlos geht er zu seinem Spind und holt seine geliebte Ruger Redhawk hervor.
Ethan und Gigi stehen hinter dem kleinen Tresen und tauschen Theorien von zweifelhafter Plausibilität über die Geschehnisse der letzten Tage aus: der Vorfall in der Bibliothek, der Brand im Honkers und nun die seltsame Explosion auf dem Schrottplatz in Stonebridge, die angeblich auf falsch gelagerte Munition zurückzuführen ist. All das ist merkwürdig — doch Ethans Theorien sind es noch weit mehr.
Smith lässt sich auf diese Gedankenspiele nicht ein und wiegelt jede Nachfrage mit dem nüchternen Hinweis ab, er könne sich leider nicht zu laufenden Ermittlungen äußern. Plausibel. Oder zumindest bequem.
Gigi bereitet ihm Bahn 3 vor und korrigiert nebenbei, wie stets, seine Haltung — halb genervt, halb routiniert.
Kurze Zeit später betritt ein Mann den Laden, der wirkt, als sei er direkt einem Actionfilm der 80er-Jahre entstiegen: hautenge Jeans, die in staubige Cowboy-Boots übergehen, und eine ausgefranste Jeansweste, die kaum mehr verbirgt als sie zeigt.
Gigis Interesse gilt augenblicklich seiner Ausrüstung, und der Fremde kommt dem mit sichtlichem Vergnügen nach.
Im Waffenkoffer, den er mit sich führt, liegt ein Ungetüm von einem Revolver — eine Faustfeuerwaffe im Kaliber .50.
Ihr Name: Revenant.
Nachdem Gigi die Waffen des Hünen eingehend studiert hat, begibt sich dieser auf die Schießanlage. Kurz darauf fegt ein infernalischer Schallpegel durch den Raum. Der Fremde zerfetzt die erste Zielscheibe mit nur zwei Schüssen.
Weston wirft einen skeptischen Blick auf seine Ruger, entscheidet sich gegen den Vergleich – und lieber für ein Bier im Inneren.
Gigi eilt herbei, um eine neue Zielscheibe für ihren ungewöhnlichen Gast zu installieren. Dieser weist sie beiläufig darauf hin, dass die Druckwelle seines unheiligen Revolvers offenbar den Schuppen neben Rang 12 beschädigt hat. Tatsächlich hängt dort ein Stück Holz lose herab und gibt den Blick auf etwas frei, das dort nicht sein sollte: eine 13.
Gigi ruft Ethan herbei, während der Fremde sich bereits zum Tresen zurückzieht.
Gemeinsam nehmen Ethan und Gigi den Schuppen neben Rang 12 genauer in Augenschein. Es scheint, als habe die Anlage früher tatsächlich über 13 Bahnen verfügt. Sie verschaffen sich einen groben Überblick über das, was dort gelagert ist. Zwar nutzen sie den Schuppen selbst, doch rund zwei Drittel der Fläche sind bis unter die Decke mit dem alten Krempel des Vorbesitzers vollgestellt. Seit der Übernahme des Marksman vor einigen Jahren fehlte schlicht die Zeit, sich damit auseinanderzusetzen.
Von einem unbestimmten Entdeckerdrang getrieben, versucht Gigi, sich tiefer in das Chaos vorzuarbeiten – nur um sich prompt einen Schrank ins Gesicht zu ziehen. Offenbar ist das ein Abenteuer für einen anderen Tag.
Zurück im Schankraum fällt ihnen auf, dass der Fremde bereits verschwunden ist. Auf dem Tresen liegen eine leere Bierflasche, ein Zehn-Dollar-Schein und eine Visitenkarte: Max Power – freier Waffenhändler.
Die Tür geht auf, und Jimmy betritt den Laden. Er fragt in die Runde, was es mit dem widerlich stinkenden LKW draußen auf sich hat. Die Crew beschließt, der Sache nachzugehen.
Auf dem Parkplatz des Marksman steht ein schlichter weißer LKW. Der Geruch, der von ihm ausgeht, ist jenseits jeder Beschreibung. Eine seltsame Flüssigkeit tropft aus der hinteren Tür.
Gigi ist bewaffnet und bereit zu eskalieren. Ethan hingegen geht taktischer vor – oder hält es zumindest dafür. Er kostet die Flüssigkeit. Die Konsequenz ist unmittelbar und unerquicklich.
Gigi zückt ihre Dietriche, doch Weston nimmt sie ihr kurzerhand ab und öffnet den LKW im Handumdrehen.
Der Anblick im Inneren steht auf keiner Bingo-Karte: Im Laderaum liegt der Kadaver eines Elefanten. Auf dem Rücken. Die Augen stumpf und leer. Als Ethan die Mischung aus Fäkalien und Verwesungsflüssigkeit sieht, ergibt sich sein Magen ein weiteres Mal seinem Schicksal.
Noch damit beschäftigt, sein Mittagessen auf dem Asphalt zu verteilen, bemerkt er am anderen Ende des Parkplatzes eine seltsame Gestalt mit einer Pelzmütze. Ohne zu zögern nimmt er die Verfolgung auf.
Äste peitschen ihm ins Gesicht, während er der Gestalt ins Dickicht folgt. Er ist kurz davor, sie einzuholen, als er über eine Wurzel stolpert und hart zu Boden geht.
Als er sich wieder aufrappelt, ist die Lichtung leer. Fast. Auf dem Boden liegt eine Pelzmütze – gefertigt aus dem Fell eines Waschbären.
Ethan kehrt zum LKW zurück. Weston und Jimmy haben beschlossen, erst einmal etwas zu trinken, bevor sie dieses neue Desaster dem Chief melden.
Gigi durchsucht den Laderaum genauer. Das Einzige, was sie herausfindet: Der LKW wurde in Silverlake City, dem Verwaltungssitz des Countys, gemietet.
Zurück im Schankraum ist Jimmy bereits deutlich angeheitert. Er erzählt von einem kürzlichen Besuch auf dem Revier und holt weiter aus: Früher lebten die Abenaki in dieser Gegend. Sie nannten das Silvercreek Valley „das gemiedene Tal“ und umgaben es mit einer Art Schutzkreis – damit das Böse, das hier wohnt, das Tal nicht verlassen kann. So jedenfalls die Legende.
Heute leben die Abenaki in Odanak, einige Meilen nördlich der Grenze. Jimmy mutmaßt, dass der Chief und sein Sohn hier waren, weil sie sich Sorgen um das Tal machen. Allerdings hat Jimmy zu diesem Zeitpunkt auch schon genug getrunken, um Mythen und Realität großzügig zu vermischen.
Die beiden Deputies beschließen schließlich, den Chief über den Fund im LKW zu informieren – gehen jedoch fest davon aus, dass er einen Weg finden wird (nicht zuletzt auf Geheiß von Bürgermeister Carver), die Sache vom County fernzuhalten.
Als sie den Marksman verlassen, endet auch für Gigi und Ethan dieser sonderbare Abend.